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  • ✒️ Spagetti im Kopf (Auszug)

    „Ich sag mal so: Wer braucht schon Michelin-Sterne, wenn die Realität so viel einfacher (und satter!) ist, oder?

    Nein, nein, ich kann schon genießen, aber wenn man mir das Rezept beim Essen auseinander nimmt, vergeht mir der Appetit und der Genuss. Ich will den Geschmack feiern – nicht das Laborprotokoll.

    „Hmm, schmeckt lecker!“ – Punkt. Kein Vortrag darüber, wie die Tomate sich 17 Minuten in nativem Öl gewunden hat, bevor sie sich freiwillig pürieren ließ.

    Ich brauche Genuss, kein Kulinarik-Karaoke. Und definitiv keinen Gastro-TED-Talk am Esstisch. Das ist wie beim Witz: Wenn du ihn erst erklären musst, ist er tot.“


    Aus einem entstehenden Text.

    30. Dezember 2025
  • 🔦 Reitkälte. Helmlampen. Und ein Skoda, der nach Wasser schreit.

    Reitkälte in den Knochen.
    Die Finger halb taub, die Kinder halb durchgefroren, aber mit Helmlampen im Dauerfeuer –
    zwei kleine LEDs auf zwei kleinen Köpfen, die aussehen wie
    “Wir sind bereit für den Weltraum, Tante!“

    Mein Skoda, pflichtbewusst, aber blind im Motorraum.
    Ich weiß noch, irgendwo war da doch dieses Winter-Wunder-Wasser im Kofferraum.

    Marleen sprintet Richtung Haustür wie ein Flummi mit Frostschaden.
    Maria ist schon fast am Hoftor, das Reitgeraffel in den Händen, Helm noch auf.

    Und ich rufe:
    🔦 „Maria, komm mal her, ich brauch mal deinen Kopf!“

    Sie stoppt, drückt Oma das halbe Stallinventar in die Hand und kommt zurück – Helmlampe wie ein Suchscheinwerfer, Beam im „Einsatz-Modus“.

    „Natürlich, Tante. Kopflicht-Modus aktiviert.“
    Die Lampe schwenkt hoch und leuchtet in den Motorraum wie ein Bühnenstrahler.

    Frostschutz gluckert.
    „Woher weißt du, dass es voll ist?“
    „Wenn’s überläuft.“
    Pragmatisch. Punktgenau.

    Und Maria lernt an diesem Abend mehr Autofacts als die Hälfte der Erwachsenen, die einen Führerschein haben.

    Keine Sauerei.

    Kein Überlauf.

    Kein Stress.

    Nur praktische Magie unter Familienlicht.

    Und genau solche Momente sagen Kindern leise ins Herz:
    „Mit Tante geht nichts schief. Und selbst wenn – sie macht’s einfach cool.“

    23. November 2025
  • ☕ Der perfekte Samstagvormittag

    Der „Ich tue so, als wäre ich schon im Leben, während ich eigentlich noch im Schlafanzug durchs Zimmer geistere“-Modus.

    Und ganz ehrlich?

    Genau DAS ist der perfekte Samstagvormittag.

    Windfinder erzählt mir Märchen von Sonne,
    mein Fenster erzählt mir die traurige Wahrheit von Norddeutschland:
    Grau, feucht, windig, unmotiviert.

    Das Wetter ist basically mein spirit animal heute.

    Also mach ich’s so:

    Kaffee nachkippen
    (der zweite ist immer der, der das Denken einschaltet, der erste macht nur wach genug, um Kaffee zu kochen)

    Umher glotzen
    (absolut essentielle Tätigkeit, wird unterschätzt, dient der Systemdiagnose)

    irgendwann Zähne putzen
    (wichtig für den sozialen Frieden – selbst wenn ich heute niemanden sehe)

    Schlafanzug gegen ein „damit’s so aussieht als ob“-Outfit tauschen
    (Shirt + Hose = offiziell Tagesmodus, egal wie gemütlich)

    Mehr braucht’s nicht.

    Ich muss heute niemandem gefallen.
    Ich muss heute nichts abliefern.
    Ich muss heute nicht 15 Stunden ackern.

    Wenn ich irgendwann später sage:

    „Jo… bisschen Text?“ → mach‘ ich.
    „Jo… bisschen Cover?“ → mach‘ ich.
    „Jo… ich glotz weiter rum.“ → auch gut.

    Aber JETZT?

    Zweiter Kaffee.
    Gucken. Atmen. Laufen lassen.
    Ich bin nicht auf der Flucht.

    15. November 2025
  • 🤖 „Android lebt.“

    Es begann mit einem harmlosen Satz:
    „Kannst du mal gucken? Mein Handy sabbelt wieder irgendwas von Update.“

    Ich stand noch mit der ersten Tasse Kaffee in der Hand,
    halb Mensch, halb Kissenrest,
    aber ihre Stimme hatte diesen bestimmten Ton.
    Diesen „Ich tu so, als wär’s nix, aber du machst das jetzt“-Ton.

    Also beugte ich mich übers Display.
    Und tatsächlich:
    Betriebssystem-Update.
    Größer als gedacht. Der kleine grüne Roboter schon auf der Bühne.
    Ich tippte. Bestätigte. Das Licht ging aus.

    Meine Mutter starrte aufs schwarze Display.
    „Da ist jetzt… ein Roboter.“
    Sie sagte es wie jemand, der aus Versehen in einem Science-Fiction-Film gelandet ist.
    Ich: „Ja. Android. Der macht das jetzt.“

    Und dann passierte es.
    Sie fing an zu lachen.
    Nicht so ein albernes Glucksen. Nein.
    Tränen. Schluchzen. Kreislaufgefährdung.
    Sie wiederholte es immer wieder:
    „Das ist Android. Hahaha. DAS ist Android. Na den lern ich jetzt auch mal kennen!“

    Ich stand daneben, unfähig zu atmen,
    nicht wegen des Roboters –
    sondern wegen ihr.
    Wegen dieser hilflosen Heiterkeit,
    die aus einem Update ein Kapitel Familiengeschichte machte.

    Zwischendurch beugte sie sich immer mal wieder vor,
    schaute prüfend aufs dunkle Display:
    „Ob der noch da ist?“
    Als sei Android ein Gast, der ohne Gruß das Wohnzimmer verlassen hat.

    Ich versuchte zu erklären, dass das völlig normal sei.
    „Der fährt gerade hoch.“
    „Ach so… dann macht der sich also frisch!“
    Und weiter ging das Gelächter.

    Als irgendwann das Logo wieder aufleuchtete,
    atmete sie erleichtert auf:
    „Na siehste. Android lebt. Jetzt kannst du weitermachen.“
    Ich, halb am Boden, halb im Techniksupportmodus,
    fragte mich leise, wer hier eigentlich wen rebootet.

    Und während ich stumm das WLAN checkte,
    dachte ich:
    Manchmal braucht es keinen Kinofilm,
    keine Pointenshow,
    kein Drama.

    Nur einen Roboter.
    Ein schwarzes Display.
    Und meine Mutter.

    23. Juli 2025

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